Hemer verliert das DSOL-Finale gegen Hamburg

(Bericht von Andreas Jagodzinsky 30.04./01.05.2021)

 

Gegen 21.45 Uhr war der Traum vom Sieg beendet. Fast zeitgleich endeten die Partien von Moritz Runte und Alex Poggemann mit Punkteteilungen. Beide Spieler hatten sich bemüht, ihre Endspiele zu gewinnen.

 

Damit stand es 2-2 und doch hattenn wir verloren verloren. Leider bescherte die Berliner Wertung den Hamburgern den Sieg, weil ihr Sieg an Brett eins bei Punktegleichstand mehr wert war als unser am dritten Brett.

 

Aber gehen wir zweieinhalb Stunden zurück:

 

Es war 19.15 Uhr, als die Aufstellungen veröffentlicht wurden. Und hier gab es die erste Überraschung. Während wir erwartungsgemäß das zuletzt zweimal siegreichen Quartett mit Carmen Voicu-Jagodzinsky, Moritz Runte, mir und Alex Poggemann an die Bretter schickten, fehlte bei Hamburg das etatmäßige zweite Brett. Zumindest meine Vorbereitung war damit hinfällig.

 

Doch der Kampf begann gut. Moritz und ich glichen in unseren Schwarzpartien leicht aus. Bei Alex verschwanden früh die Damen. Und Carmen kam unter Bauernopfer sehr gut ins Spiel.

 

Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, dass gerade diese Partie das Match entscheiden würde.

In hoch komplizierter Stellung entschied sich unsere Spitzenspielerin, einen gegnerischen Zentralbauern zu erobern und gab dafür ihren b-Bauern. Wie sich später herausstellte, wäre ihre Stellung strategisch gewonnen gewesen.

So kam hingegen ihr Gegner langsam zu gefährlichem Gegenspiel.

Bei einem Blick auf die anderen Bretter musste ich dann feststellen, dass Moritz seinen Turm merkwürdig passiv postiert hatte. Irgendwie lief der Kampf nicht in die richtige Richtung.

 

Und gegen 20.20 Uhr passierte dann Folgendes: Im virtuellen Spielraum tauchte Plötzlich die Nachricht auf "Alex Poggemann hat den Spielraum verlassen." Fast zeitgleich bekam ich ein Remisangebot. Die nächsten Minuten war ich mehr damit beschäftigt, mich um den Verbleib von Alex zu kümmern. Wie ich erfuhr, hatte er einen Internetausfall. Nun hieß es also abwarten, ehe er nach gut zehn Minuten wieder in der Partie war. In Anbetracht der anderen Stellungen musste ich weiterspielen. Zum Glück stand ich gut. Und wie das in besser stehenden Stellungen so ist, bot sich plötzlich eine taktische Gelegenheit, die nicht einmal ich übersehen konnte. 1-0 für uns. Aber Carmen stand auf Verlust. Alex stand wohl ausgeglichen, während Moritz schlechter stand, nachdem er erst einen, dann den zweiten Bauern verloren hatte.

 

Der Kampf schien aussichtslos. Doch nachdem ich ein wenig die Liveübertragung von Sebastian Siebrecht angeschaut hatte, kehrte ich zu den Partien zurück. Und hier kämpfte Moritz im Endspiel mit allen taktischen Tricks noch um die Wende.

Aber leider verteidigte sein Gegner sich umsichtig. Das Endspiel mit zwei Türmen und ungleichfarbigen Läufern bei Alex war nicht zu gewinnen.

 

2-2 also und nach Berliner Wertung 4-6 gegen uns.

 

Glückwunsch nach Hamburg zum Sieg.

 

Was bleibt von dieser zweiten DSOL-Saison?

Wir haben sportlich sehr gut mitgehalten und haben nur knapp den Turniersieg verpasst. In unseren Kämpfen scheint von allen Spielern ehrlich gespielt worden zu sein.

Aufgrund der starken Ergebnisse von Beginn an ergab sich leider nur einmal die Gelegenheit, unseren Ersatzspielern Spielpraxis zu geben. Aber nach den Personalproblemen in der ersten DSOL-Saison war ich skeptisch, eine zweite Mannschaft zu melden. Ich denke, kommende Saison wird es mindestens eine weitere Mannschaft geben.

 

Wir freuen uns auf die nächste Saison in der DSOL.

 

                                

 

 

Hemer steht im Finale der DSOL!

(Ein Bericht von Andreas Jagodzinsky, 28.04.2021)

 

Mit einem souveränen 3,5-0,5 gegen Göttingen erreicht Hemer das Finale der DSOL.

Am kommenden Freitag geht es gegen Hamburg.

 

Freitag, der 23.04.2021 um 1930 Uhr:

 

Die Uhren werden gestartet. Der Schachverein spielt im Halbfinale gegen Göttingen.

Bislang ist die Saison hervorragend gelaufen. Nachdem die ersten Spiele der Vorrunde gut überstanden wurden, beschloss die Mannschaftsführung, um den Einzug ins Viertelfinale zu spielen. Damit war klar, dass die ersten drei Bretter immer von Carmen Voicu-Jagodzinsky, Moritz Runte und mir besetzt wurden. Am vierten Brett hatte sich Alexander Poggemann mit guten Leistungen in die Mannschaft gespielt.

 

Abgesehen vom bedeutungslosen letzten Spiel, als bereits klar war, dass unser Ergebnis auf die ersten beiden Plätze keinen Einfluss mehr hatten, spielten daher diese vier Spieler und im Verhinderungsfall Marc Störing.

 

Im Viertelfinale hatte ich lange überlegt, ob Alex oder Marc an vier spielen würde. Dieses Mal ging es schneller. Die siegreiche Mannschaft blieb unverändert.

 

Nachdem ich im Viertelfinale bereits in der Eröffnung durch sorgloses Spiel auf die Verliererstraße geraten war, kam ich dieses Mal besser ins Spiel.  Mein Gegner beging eine frühe Ungenauigkeit, so dass ich die Initiative übernahm.

 

Die Partie ist übrigens ein gutes Beispiel dafür, wie es aussieht, wenn beide Spieler offensichtlich ohne Computerunterstützung spiele.

 

Nach dem 13. Zug von Schwarz hatten wir diese Stellung:

 

                                                         

 

Weiß steht besser. Der Computer möchte jetzt 14.dxc6 Sxc6 15.0-0 mit einem ziemlich klaren weißen Vorteil sehen.

Mit all dem gefährlichen Halbwissen, dass der Weißspieler in seinem Kopf hatte, entschied er sich für den Zug 14.0-0, da er ungerne die Zentrumsspannung teilweise aufheben möchte und ggf. schwarzen Figurentausch ermöglichen möchte.

Weiß steht natürlich weiterhin besser, aber während die Bewertung in der Computervariante eher ein +/- an der Grenze zum +- ist, steht sie beim Partiezug eher bei +/- mit Tendenz zu +=.

 

Im 18. Zug hatte Schwarz Lg7-f6? statt des deutlich besseren 18...Dc7 gezogen, wonach diese Stellung auf dem Brett stand:

 

                                                         

 

Der Computer zeigt jetz sofort an, dass Weiß mit 19.h3 oder 19.Lxf6 gewinnbringenden Vorteil erzielt.

Ich hatte mich jedoch schon beim dreiminütigen Überlegen über 18.Lg5 in die Idee 19.Ld2 "verliebt", bei der der Läufer das dritte Mal zieht, im dritten Zug wieder zurückgeht, mit 19.h3 droht und nach dem unvermeidlichen Wegziehen des schwarzen Läufers von f6 demnächst auf g5 einen Springer stellen kann. 

Auch 19.Ld2 ist kein schlechter Zug, der vom Computer an dritter Stelle geführt wird. Aber die Alternativen lassen Schwarz wahrscheinlich in allen denkbaren Abspielen in wenigen Zügen verlieren.

 

Hätte der Schwarzspieler in völliger Verzweiflung nun nur einmal selbst den Computer befragt, so hätte dieser ihm auf mein 19.Ld2 sofort angezeigt, dass der Partiezug 19...Le7 keine besonders gute Idee war, sondern alenfalls der Beweis dafür, wie stark mein 19.Ld2 gewesen war.

 

Stattdessen hätte er die Zugfolge 19...d5! 20.exd5 b5!! ausgespuckt. Auf 21.Dxb5 wäre dann 21...e4! gefolgt, was uns zu dieser Stellung geführt hätte:

 

                                                        

 

Zwar hätte Weiß mit seinen Mehrbauern immer noch einen objektiven Vorteil gehabt. Aber plötzlich hat Schwarz das aktive Figurenspiel, das man sucht, wenn man Königsindisch spielt. Weiß hätte sich erstmals in der Partie mit gegnerischen Drohungen auseinandersetzen müssen.

 

Stattdessen ging die Partie dann relativ souverän für Weiß zuende.

Ein hübsches Qualitätsopfer führte von dieser Stellung

 

                                                         

 

dann zu der Schlussstellung: