Carmen Voicu-Jagodzinsky ist Deutsche Meisterin 2020

(Ein Turnierrückblick von Andreas Jagodzinsky, 31.08.2020)

Es ist der größte Einzelerfolg in der Geschichte des Schachvereins.

Erstmals gewann eine Spielerin oder ein Spieler die Deutschen Einzelmeisterschaften.

Als Siegerin der DSAM 2018/19 hatte Carmen eigentlich die Berechtigung erworben an den Deutschen Meisterschaften der offenen Klasse zu starten. Sie entschied sich jedoch für eine Teilnahme bei den Frauen, was sich als die richtige Entscheidung erweisen sollte.

Hinter der deutschen Nationalspielerin Filiz Osmanodja war Carmen an Platz zwei gesetzt. Filiz und Carmen waren die einzigen Großmeisterinnen im Feld. Aber mit drei Internationalen Meisterinnen und weiteren drei Fidemeisterinnen war das Feld auch für die jugendlichen Spielerinnen bezüglich möglicher WIM-Normen interessant.

Carmen war bereits am Donnerstag angereist und spielte zum Aufwärmen am Samstag die Deutschen Frauenblitzmeisterschaften mit. Ergebnis und Punktzahl entsprachen dort den Erwartungen. Am Sonntag begannen dann die Deutschen Frauenmeisterschaften.

Abgesehen von der etwa gleichstarken Filiz gab es zwei Gruppen von Spielerinnen, auf die Carmen in dem Turnier traf. Talentierte Jugendspielerinnen oder solche, die gerade der Jugend entwachsen sind und erfahrene Spielerinnen, die bereits nachgewiesen hatten, dass sie auch in der Lage sind, gegen Großmeisterinnen zu punkten.

Katharina Mehling war zwar nur die Nr. 13 der Setzliste, hatte aber im vergangenen Jahr bereits einen hervorragenden fünften Platz belegt. Zwar gewann Carmen relativ problemlos. Aber ihre Gegnerin konnte wie im vergangenen Jahr ihrer Auftaktniederlage 5,5 Punkte folgen lassen und wurde am Ende Vierte.

In Runde zwei ging es dann gegen Svenja Butenandt. Die 14-jährige gehörte zur von Carmen betreuten Europameisterinnenmannschaft U12w. Carmen griff in der Eröffnung fehl und musste bange Momente überstehen. Aber als Butenandt die Damen zum Tausch anbot, war die Chance auf Vorteil vertan. Carmen gewann die Partie danach sicher.

Am Dienstag stand dann die erste von zwei Doppelrunden auf dem Spielplan. Carmen traf auf WIM Brigitte Burchardt.

Man kann natürlich denken, dass eine WIM mit 2091 für Carmen eine weitere Pflichtübung sein sollte. Aber abgesehen von anderen Überraschungen im Turnier (dazu später) empfehle ich den Wikipediaeintrag zu Brigitte Burchardt: https://de.wikipedia.org/wiki/Brigitte_Burchardt.


Carmen jedenfalls unterschätzt ihre Gegnerin nicht. In einer ausgeglichenen Stellung einigten sich die Kontrahentinnen auf Remis.

Nachmittags gab es dann erneut Weiß. Luisa Bashylina, die zweite Europameisterin U12w aus 2018 war die Gegnerin.

In Runde zwei hatte sie sehenswert Filiz Osmanodja ausgekontert und lag nun mit 3/3 vorne. Carmen verpasste eine gute Chance im Mittelspiel, wonach Luisa problemlos ausgleichen konnte. Als sie Remis anbot, war die Stellung bereits angenehmer für sie zu spielen, so dass unsere Spielerin sich entschied, das Remisangebot anzunehmen.

Damit hatte Carmen nach vier Runden einen halben Punkt Rückstand auf Luisa Bashylina, die zudem bereits beide Großmeisterinnen als Gegnerinnen gehabt hatte. Auch Brigitte Burchardt lag bei 3,5/4.

Dazu hatte Carmen die Weißdoppelrunde nicht nutzen können. Die erste schwierige Situation im Turnier war entstanden. Und mit Teodora Rogozenco wartete eine weitere Nachwuchsspielerin auf Carmen.

Die entschied sich, in dieser kritischen Turniersituation erstmals auf eine bewährte Eröffnung zurückzugreifen. Mit Schwarz wählte Carmen Modernes Benoni und glich mühelos aus. Da Carmen eine angenehme Initiative hatte und sich in den Stellungsbildern gut auskannte, gewann sie die Partie souverän.

Hinter Burchardt, die erneut gewinnen konnte, teilte Carmen mit weiteren Spielerinnen Platz zwei. Luisa hatte derweil erstmals verloren.

Am Donnerstag stand eine weitere Runde an, da die letzte Doppelrunde gespielt werden musste. Carmen kam gegen WFM Dr. Anita Just klar besser aus der Eröffnung heraus und hatte einen Mehrbauern. Da sich am Spitzenbrett Burchardt und WIM Vidonyak schnell remis getrennt hatten, bestand die Chance, mit einem Sieg zur Spitze aufzuschließen. Doch Carmen tat sich unerwartet schwer in dem Endspiel. Nach über vier Stunden endete die Partie mit einem Remis, worüber Carmen verständlicherweise enttäuscht war. Aber es blieb keine Zeit, groß über die Situation nachzudenken. Für eine Vorbereitung blieb ebenfalls wenig Zeit.

 

Erstmals begann Carmen im Turnier mit 1.e4. Sie riskierte viel und belohnte sich nach einem kurzen taktischen Geplänkel im Mittelspiel. Da die Tabellenführerin über ein Remis nicht hinauskam, holte Carmen sie ein und zog nach Buchholz sogar vorbei. Aber noch war nichts erreicht. In der Vorschlussrunde wartete Filiz mit Weiß auf Carmen. Aufgrund der Buchholz war der Titel für ihre Gegnerin zwar kaum noch erreichbar. Aber mit einem Sieg im Spitzenspiel war zumindest eine teilweise Schadenswiedergutmachung für die deutsche Nationalspielerin möglich.

Hemers Spitzenspielerin überraschte ihre Gegnerin, indem sie erstmals in ihrem Leben die Französische Verteidigung spielte. Schnell stand eine populäre Stellung der Steinitzvariante auf dem Brett. Filiz suchte den Angriff, aber überschätzte ihre Stellung. Carmen verfügte über ausreichende Verteidigungsmöglichkeiten, um ihr Mehrmaterial zu sichern. Als Filiz aufgab, war das Tor zum Titel weit offen, da Brigitte Burchardt überraschend verlor.

Carmen lag einen ganzen Punkt vor einer dreiköpfigen Verfolgergruppe. Es gab nur noch eine theoretische Möglichkeit, dass eine der drei Spielerinnen sie überholen könnte. Überraschenderweise wurde nur im Frauenturnier ohne Sofiaregel, d.h. ohne das Verbot frühzeitiger Remisschlüsse gespielt. Dieser Missstand sollte für 2021 dringend überarbeitet werden.

Nun musste sich Carmen aber auf die Partie vorbereiten, wozu auch die Möglichkeiten eines Remisangebots gehörten, da ihr ein Remis sofort den Titel sichern würde. Ihre Gegnerin hatte nur noch mit einem Sieg Chancen, in den Kampf um die Medaillen einzugreifen.

Die Entscheidung war damit klar. Das Remisangebot erfolgt zum ersten zulässigen Zeitpunkt, d.h. mit Ausführung des zweiten Zuges. Lehnt die Gegnerin ab, womit wir gerechnet hatten, ist das Thema „Remis“ vom Tisch. Dann muss man weder nach einem unerwarteten gegnerischen Zug oder wenn die Eröffnung nicht gefällt, eine Sekunde über die Frage nach einem Remisangebot nachdenken.

In der Partie überlegte Carmens Gegnerin etwa 20 Minuten und akzeptierte dann das Unentschieden. Am Ende kam es auf den Ausgang der Partie ohnehin nicht mehr an.

 

Als erstes Mitglied des Schachvereins gewann Carmen eine Deutsche Einzelmeisterschaft. Es war der verdiente Erfolg nach einer insgesamt starken Turnierleistung.Carmen konnte ihre Bilanz in Magdeburg damit bei drei Turnierteilnahmen auf drei Turniersiege bei elf Gewinnpartien und acht Punkteteilungen ausbauen.


Schachgipfel in Magdeburg mit Carmen Voicu-Jagodzinsky

Teil 2: Bange Momente in Runde 2

(Ein Bericht von Andreas Jagodzinsky, 18.08.2020)

In Runde zwei standen bei der Frauenmeisterschaft die U12-Europameisterinnen von 2018 im Mittelpunkt.

An Tisch eins gewann Luisa Bashylina gegen Turnierfavoritin WGM Filiz Osmanodja.

Das damalige Brett zwei Svenja Butenandt spielte gegen die damalige Trainerin der Mannschaft Carmen Voicu-Jagodzinsky an Brett zwei.

Und für einen Moment lag auch hier die Sensation im Bereich des Möglichen.

Carmen hatte mit Schwarz im elften Zug einen groben Fehler begangen. Ihre Gegnerin hätte nun in wenigen Zügen klaren Vorteil erzielen können.

Stattdessen bot sie den Damentausch an, was angesichts der weißen Bauernstruktur keine gute Idee war. Der geringe weiße Entwicklungsvorsprung wurde nach dem tausch schnell neutralisiert. Es verblieb eine Stellung, die für die stärkere Spielerin immer angenehmer zu spielen ist. Ohne jede taktische Gegenchance muss Weiß eigene Fehler vermeiden, weil jede kleine Ungenauigkeit die schwarze Stellung noch besser macht.

Letztlich setzte Carmen sich souverän durch und liegt mit 2/2 in der vierköpfigen Spitzengruppe.

Heute steht die erste von zwei Doppelrunden an.

Um 10.0 Uhr geht es zunächst gegen WIM Brigitte Burchardt: https://chess24.com/de/watch/live-tournaments/german-womens-championship-2020/3/1/1


 

Um 16.00 Uhr steht dann Runde vier auf dem Spielplan.


Schachgipfel in Magdeburg mit Carmen Voicu-Jagodzinsky

Teil 1: Carmen gewinnt die 1. Runde

(Ein Bericht von Andreas Jagodzinsky, 17.08.2020)

Am Sonntag um 14.00 Uhr begann im Magdeburger Maritim-Hotel die erste Runde der Deutschen Fraueneinzelmeisterschaften.

Mit ihrem Sieg bei den Deutschen Amateurmeisterschaften hatte sich Carmen Voicu-Jagodzinsky eigentlich für die Offenen Deutschen Meisterschaften qualifiziert.

Sie entschied sich aber zur Teilnahme am Frauenturnier, wo sie hinter der deutschen Nationalspielerin Filiz Osmanodja an Rang zwei gesetzt ist.


In Runde eins trat Carmen gegen Katharina Mehling aus Bayern an.

Carmen spielte konzentriert und kam zu einem sicheren Sieg.


In Runde zwei trifft sie heute ab 14.00 Uhr auf Svenja Butenandt.

Die 14-jährige gehörte 2018 zur deutschen U12-Mädcheneuropameistermannschaft unter Carmen.

 

Auch ihre damalige Mannschaftskollegin Luisa Bashylina tritt in Magdeburg an. 


Übersicht über die Teilnahme an Deutschen Meisterschaften

 

Jahr

Turnier

 

Ort

Spieler/Aufstellung

Platz/

Teilnehmer

2019

DJEM U16

Willingen (HE)

M. Runte

(Trainer: C. Voicu-Jagodzinsky, Andreas Jagodzinsky)

 

16/28

2018

DVM U16

Aurich

(NDS)

M. Runte, T. Leonard, F. Trinh, V. Naumenko

(Trainer: A. Jagodzinsky)

 

12/20

2018

DVM U10

Magdeburg (S-A)

L. Avram, M. Graf,

L. Jagodzinsky, L. Heußner

(Trainerin: C. Voicu-Jagodzinsky)

 

45/63

2018

DJEM U16w

Willingen

(HE)

V. Naumenko

(Trainerin: C. Voicu-Jagodzinsky)

 

15/20

2017

DVM U10

 

Magdeburg

(S-A)

L. Avram, M. Graf, L. Jagodzinsky, A. Leonard (Trainerin: C. Voicu-Jagodzinsky)

 

65/80

2017

DVM U16

 

Walldorf

(B-W)

M. Runte, T. Leonard, A. Mai, V. Naumenko, J. Manus (Trainer: A. Jagodzinsky)

 

11/20

2016

DVM U10

 

Magdeburg

(S-A)

L. Avram, L. Jagodzinsky, M. Graf, A. Leonard (Trainer A. Jagodzinsky)

 

59/60

2016

DVM U14w

 

 

Düsseldorf (NRW)

I. Otterpohl (G), V. Naumenko, J. Manus, K. Drees (Trainerin: C. Voicu-Jagodzinsky)

 

13/20

2001

DVM U14w

 

Greifswald

(M-V)

J. Küter, J. Lorenz, S. Fachadas-Lehnen, K. Roth, T. Kleineberg (Trainer: A.Jagodzinsky)

 

20/20

1997

DVM U20

 

Magdeburg

(S-A)

A. Jagodzinsky (für SG Bochum 31)

 

1/12

1990

DJEM U15

 

Münster

(NRW)

M. Stopsack

2./16

(punktgleich mit Platz 1)