Da ist das Ding!

 

Gastgeber triumphiert beim 10-Städteturnier – ein Text-Bild-Bericht von ANDREAS JAGODZINSKY

 

Seit 40 Jahren tragen Mannschaften aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich und später Luxemburg am ersten Septemberwochenende jährlich das 10-Städteturnier aus.
 
1974 war Gründungsmitglied Hemer erster Sieger. Deutschland hatte wenige Monate zuvor den Fußball-Weltmeistertitel gewonnen. 1976 reichte es im Fußball nur für den Vizeeuropameister, während Hemer im Schach erneut gewann. Doch während Deutschland 1982 und 1996 noch einmal die Fußballeuropameisterschaft sowie 1990 die Weltmeisterschaft gewinnen konnte, blieb der SV Hemer titellos.
 
Doch 2014 bei der 41. Auflage sollte alles besser werden.

Als Ausrichter hatten wir jedoch vor allem das Ziel, ein Turnier zu veranstalten, das allen Teilnehmern Spaß machen sollte. Wir wollten daher ursprünglich mit den Spielern antreten, die auch in den letzten Jahren für Hemer gespielt hatten. Geplant war lediglich, am Spitzenbrett mit Daniel Fridman der Mannschaft ein wenig Europameisterglanz zu verleihen. Daniel musste jedoch leider wegen der 2. GRENKE Chess Classic in Baden-Baden absagen, bot uns aber an, seine Frau, die mehrfache US-Meisterin Anna Zatonskih und deren Vater, einen spielstarken ukrainischen Fidemeister als Ersatz zu stellen. Dieses Angebot nahmen wir natürlich gerne an.
 

Da wir wegen kurzfristiger Absagen von zwei Teams, zwei weitere Mannschaften aufstellen mussten, hatten wir schließlich eine Liste mit einigen spielstarken Ersatzleuten zusammen bekommen.

 

Nach langem Überlegen entschieden wir uns, eine gemischte Mannschaft ins Rennen zu schicken. Eine weitere Mannschaft sollte aus ehemaligen Hemeraner Spielern bestehen. Die eigentliche Mannschaft des Ausrichters setzte sich dann wie folgt zusammen:

An Brett 1 kam Anna Zatonskih zum Einsatz. Ihr folgte ihr Vater Vitaly. Brett 3 wurde von unserer Spitzenspielerin, der rumänischen Nationalspielerin Carmen Voicu-Jagodzinsky besetzt. Aus Iserlohns NRW-Klassemannschaft half Marcus Schmücker an Brett 4. Martin Grürmann, NRW-Klassenspieler aus Letmathe und 10-Städteturnier-Veteran besetzte Brett 5. Aus Lieme verstärkte Joshua Eckardt die Mannschaft. Hinter mir besetzte Marc Störing Brett 8. Mit dem erst 12-jährigen Moritz Runte gehörte auch ein Jugendspieler zur Mannschaft, der stellvertretend für die gute Jugendarbeit unserer Trainerin Carmen Voicu-Jagodzinsky steht. 

Nach und nach kamen alle Mannschaften am Samstag im Jugend- und Kulturzentrum an. Da auch das Wetter mitspielte, füllten sich die Tische neben dem Grill schnell. Die Entscheidung für das Aufstellen des Grills erwies sich schnell als richtig.

 

Um 13.45 traf dann Hemers Bürgermeister Michael Esken ein, der das Turnier eröffnete. Er betonte die Wichtigkeit des Schachvereins für die Stadt Hemer, insbesondere in der Jugendarbeit.

 

Danach wurde es ernst.

 

Einem lockeren Auftaktsieg gegen die gemischte Mannschaft folgte ein 7,5:0,5 Sieg gegen den mehrfachen belgischen Meister Wirtzfeld, in dem Anna gegen den elostärksten Teilnehmer, GM Michael Hoffmann, gewinnen konnte.

 

Nach einem Sieg in der dritten Runde stand das vorentscheidende Duell gegen Rekordsieger Herne an. Anna gewann nach weniger als zehn Minuten. Leider verwechselte ich in der Eröffnung zwei Züge, so dass es schnell wieder Unentschieden stand. Der Kampf stand auf des Messers Schneide. Marcus stand erst besser, dann schlechter und gewann schließlich. Carmen gelang dann der entscheidende Sieg, nachdem sie eine ausgeglichene Stellung im Mannschaftssinne spielen musste, so dass wir mit 5:3 gewinnen konnten. Ein weiterer Sieg gegen die starke niederländische Mannschaft aus Nieuwendam, bei dem Anna und Carmen wieder überzeugten, beendete den ersten Turniertag.

 

Am Abend stand dann das gemeinsame Abendessen auf dem Programm. In entspannter Atmosphäre saßen die Mannschaften bis weit nach Mitternacht zusammen. Auch Michael Esken ließ es sich nicht nehmen, noch einmal für ein Stündchen zu den Schachspielern zu stoßen.

 

Einige Mannschaften genossen die Atmosphäre so sehr, dass die Thekenmannschaft unter Federführung von Tim Riehl erst gegen zwei Feierabend machen konnte.

 

Am Sonntag ging es dann um 10.30 Uhr schachlich weiter. Der Gastgeber kam problemlos zu vier weiteren Siegen und gewann nach 38 Jahren endlich wieder das Turnier.

 

Vizebürgermeister Wolfgang Römer nahm die Siegerehrung vor, nachdem Schiedsrichter Wolfgang Deinert sich für die fairen Spiele bei den Akteuren bedankt hatte.

 

 

Zunächst wurden die Helfer geehrt. Die Mutter von Moritz Runte und die Töchter von Hermann Carnein und Christian Stiller bekamen für ihr Engagement Blumen.

 

 

 Nach der Übergabe der Brettpreise erhielten dann alle Mannschaften einen Pokal. Nachdem Nieuwendam auf Platz 3 und Herne auf Platz 2 ihre Trophäen erhalten hatte, nahte der seit 38 Jahren erwartete Moment.

 

 

 

 

 

Gegen 16.15 Uhr ging der Wanderpokal für die Siegermannschaft unter dem Jubel der Spieler und zahlreichen Vereinsmitgliedern wieder in den Besitz des SV Hemer über. Es war schön zu sehen, dass die Mannschaftsmitglieder sich einfach über den Gewinn eines Turniers freuen konnten, ging es doch weder um Preisgeld noch andere wertvolle Sachpreise.

 

Anna (8,5/9), Vitaly (6,5/8), Marcus (8/8) und Martin (6,5/8) gewannen Brettpreise. Carmen (7/9) und Joshua (6,5/8) blieben ungeschlagen. Marc (6,5/8), Moritz (5/7) und ich (4,5/6) verloren je eine Partie. Auch die Stammspieler der letzten Jahre Detlev Zuleger und Guido Heeke wurden dazu auf die Bühne gerufen.

 

Am wichtigsten war jedoch, dass es unseren zahlreichen Helfern gelungen ist, ein phantastisches Turnier zu veranstalten, das von allen Seiten großes Lob erfuhr. Bereits am Samstagabend überreichte mir der Kapitän von Differdange einige Bücher, verbunden mit der Bitte, diese an die Helfer zu übergeben.

 

Es wäre unfair, hier einzelne Helfer hervorzuheben. Musste Christian Stiller das Turnier vor zwölf Jahren fast alleine organisieren, hatte Hermann Carnein in diesem Jahr ein starkes Team zur Verfügung. Zumindest fand Hermann noch Zeit, als Ersatzspieler für Eupen im Kampf gegen Hemer Martin Grürmann zu besiegen.

 

Auch der Abbau war dank des tatkräftigen Einsatzes aller Spieler und Helfer schnell erledigt.

 

Einige Vereinsmitglieder ließen das Turnier dann noch bis ca. 22.00 Uhr ausklingen.

 

 

 

Alle waren sich darüber einig, dass dieses Wochenende sicher zu den Sternstunden in der Vereinsgeschichte gehört.